Blausee im Berner Oberland Abtauchen ins Blaue!

Sein mystisches Leuchten macht den Blausee im Berner Oberland mit dem Hotel an seinem Ufer zu einem ganz besonderen Ort. Auch jetzt im Winter. Denn nun können alle Tapferen im glasklaren Wasser mit den freundlichen Bioforellen um die Wette schwimmen ...
Blausee in der Schweiz

Im Kandertal (Schweizer Kanton Bern) liegt der mystische Blausee zwischen mächtigen Bergen – sein Wasser friert auch im Winter nicht zu

In diesem Artikel
Warum das Wasser glasklar ist
Eine zukunftsträchtige Idee
Eine Steinfrau im See
Adressen & Infos

Die einen sagen, dass eine verzweifelte junge Frau einst dem Wasser des Blausees im Berner Oberland zu seiner mystisch leuchtenden Farbe verholfen habe. Das „Mägdelein“, so erzählt die Sage, liebte einen Hirten, mit dem sie im Mondschein „manch freundliche Stunde“ bei einer Kahnpartie auf dem See verbrachte. Doch dann stürzte der Geliebte mit einer Bürde Heu über eine Felswand zu Tode. In ihrem Gram kehrte die junge Frau nun jeden Abend zur Stätte ihres einstigen Glücks zurück – bis man sie eines Morgens auf dem Grunde des Sees fand, der nun plötzlich tiefblau leuchtete. Gefärbt, so erklärt es die Legende, von den Tränen, die unaufhörlich aus den blauen Augen den Mädchens flossen.

Warum das Wasser glasklar ist

Doch es gibt auch wissenschaftliche Erklärungen für das Leuchten des Blausees, der am Ende der Eiszeit im Gebiet eines Bergsturzes entstand und nur wenige Schritte vom rauschenden, milchig-grauen Flüsschen Kander entfernt liegt. „Das Seewasser ist glasklar, weil es eben nicht durch den Fluss, sondern durch Quellen aus dem unterirdischen Grundwasserstrom des Kandertals gespeist wird“, sagt Stefan Staub, Direktor der Blausee AG. Da das klare Wasser langwelliges rotes Licht stärker absorbiert als kurzwelliges blaues Licht, erscheint es tiefblau.

Schon im 18. Jahrhundert wurde der See in Reiseberichten als Kleinod gefeiert – weil man im klaren Wasser nicht nur uralte Baumstämme auf dem Seegrund erkennen, sondern auch den Forellen beim Schwimmen zusehen kann. 1878 kaufte der Zürcher Kaufmann Johann Caspar Leemann-Boller den Blausee, den er bei seinen Streifzügen durch das Kandertal entdeckt hatte. Bald entsteht ein Hotelgebäude im Jugendstil, der mit seinen Formen, Farben und Details wie etwa den Lampen bis heute das kaum veränderte Hotel und ganz besonders
das Restaurant prägt.

Hotel Blausee

Das „Hotel Blausee“ – ein Jugendstilgebäude aus Holz inmitten der Einsamkeit einer malerischen Winterlandschaft

Eine zukunftsträchtige Idee

Mehrmals wechseln Hotel und See den Besitzer, Spazierwege werden angelegt, ab 1908 wird während der Sommermonate Eintritt für den privaten Naturpark rund um den Blausee erhoben. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und in den Jahren danach bleiben Urlauber aus, dem Hotel droht die Schließung. Bis 1924 der Biskuitfabrikant Oskar Kambly den See übernimmt – mit einer zukunftsträchtigen Idee. „Er ließ nicht nur das Hotel renovieren, sondern kaufte auch umliegende Grundstücke auf, um eine Forellenzucht zu errichten“, erzählt Stefan Staub. Die Forellenzucht besteht auch heute noch als wichtiges zweites Standbein neben Hotel und Restaurant. Die Bio-Forellen aus dem Blausee mit ihrem zarten, festen, wohlschmeckenden Fleisch sind im ganzen Kandertal als Delikatesse begehrt.

Im See dürfen die Forellen allerdings das Jahr über nicht geangelt werden. Nur jetzt im Herbst lädt die Blausee AG zum Ausfischen ein. Jung und Alt kann sich in dieser Zeit selbst Forellen aus dem Wasser angeln – ein Fischerpatent ist nicht erforderlich, nur die eigene Angelrute muss man mitbringen – und die gefangenen Forellen zu einem festen Kilopreis bezahlen. „Diejenigen Fische, die sich nicht von den Angelködern verlocken lassen, bleiben den Winter über im See und wachsen weiter, manche sogar über mehrere Jahre“, weiß Stefan Straub. Wer will, kann mit diesen alten Recken Seite an Seite oder um die Wette schwimmen.

Denn von November bis März bietet das Hotel Tauchgänge in den Fluten des Sees an, die wegen der unterirdischen Quellen im Sommer nur acht bis zehn Grad „warm“ werden, dafür aber im Winter bei drei bis sechs Grad Wassertemperatur auch nie zufrieren. Eine entsprechend frische Angelegenheit ist deshalb das Blausee-Schwimmen am 2. Dezember. Das ansonsten ganzjährig geltende Badeverbot ist an diesem Tag für alle Tapferen aufgehoben, geschwommen wird aber nur in Badehose, -anzug oder Bikini. „Nix mit Neopren oder dicken Melkfettschichten auf der Haut“, sagt Direktor Stefan Staub und lacht.

Eine Steinfrau im See

Nach dem eiskalten Kick im See gibt es warme Suppe, Glühwein und Bratwurst. Und für alle, die im Hotel übernachten, die Einsamkeit der stillen Winternacht. „Wir haben in den Hotelzimmern bewusst auf Radio und Fernseher verzichtet“, so Stefan Staub. „Weil es zu dem historischen Gebäude und weil es zu diesem Ort des Rückzugs vom Alltag passt.“ Wer nach dem Abendessen noch Programm haben will, kann im Hotel-Spa mit Sauna, Dampfgrotte und dem Outdoor-Hotspot entspannen – oder noch eine Runde um den See bummeln. Von der hölzernen Brücke, die einen Teil des Blausees überquert, sieht man eine steinerne Figur im klaren Wasser. Die Skulptur hat vor knapp 20 Jahren ein Künstler geschaffen, sie ähnelt der jungen Frau, deren Tränen einst angeblich den Blausee geschaffen haben. Und die es ja nur in der Sage gab. Angeblich.

Adressen & Infos

Neben dem Blausee-Schwimmen und dem Blausee-Tauchen bietet das Hotel in den Wintermonaten auch Konzertabende an – von A-cappella-Gesang bis zu Irish Folk. Weitere Auskünfte und Reservationen zu den Veranstaltungen: Blausee AG, CH-3717 Blausee, Tel.: 00 41/(0) 33/6 72 33 33, www.blausee.ch. Der Eintritt in den Naturpark rund um Hotel und See ist im Winter kostenlos.