Alla hopp! Hütten-Hüpfen im Pfälzer Wald

Das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland ist ein Traumrevier zum Wandern – und zum Einkehren. Die 19 Kilometer lange „Pfälzer Hüttentour“ verbindet beides: Fünf grandiose Einkehrstationen liegen auf der Route des Premiumwegs
Alla hopp! Hütten-Hüpfen im Pfälzer Wald

Die nächste Hütte ist das Ziel: Die Einkehrmöglichkeiten der Pfälzer Hüttentour sind dank der guten Ausschilderung gut zu finden

Ach wirklich? Jetzt schon?, denke ich, öffne schweren Herzens meine Augen und erkenne die vertrauten Geräusche von sich öffnenden und schließenden Rucksack-Reißverschlüssen. Das Rascheln von Tüten sowie die spürbare Unruhe vor einem Aufbruch haben mich nicht getäuscht: Unsere fünfköpfige Wandergruppe macht sich für den Weitermarsch bereit. Wie schade! Gern hätte ich noch ein Weilchen auf der Sonnenterrasse der Ringelsberghütte vor mich hin geträumt ...

Alla hopp! Hütten-Hüpfen im Pfälzer Wald

Grüne Wellen: Zwischen Landauer Hütte und Orensfelsen bietet sich am Abflugplatz für Gleitschirme diese großartige Aussicht auf den Pfälzer Wald

Marschieren und genüsslich einkehren

Schöne Wandertouren gibt es im Pfälzer Wald viele. Stolze 12.000 Kilometer markierte Wege durchziehen die mit etwa 1.790 Quadratkilometern größte zusammenhängende Waldfläche Deutschlands. Doch da Wanderungen noch viel mehr Spaß machen, wenn man unterwegs auch mal gemütlich einkehren kann, war unsere Wahl für dieses letzte Wochenende im Mai auf die Pfälzer Hüttentour gefallen. Entlang des insgesamt 19 Kilometer langen Premiumweges gibt es nämlich gleich fünf urige Einkehrmöglichkeiten. Neben der Ringelsberg- und Trifelsblickhütte laden die St.-Anna- und die Landauer Hütte sowie das Naturfreundehaus Kiesbuckel zum Rasten ein. Wem das zu viel ist, der kürzt einfach ab.

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Das nahe Frankreich lässt kulinarisch grüßen: Auf der Landauer Hütte gibt es neben deftigen Pfälzer Spezialitäten auch leckere Elsässer Flammkuchen

Da wir ganz sichergehen und keinesfalls irgendwo in den grünen Tiefen des Pfälzer Waldes stranden wollten, haben wir uns mit aktuellem Kartenmaterial ausstaffiert. Denn so entspannt der Name „Hüttentour“ vielleicht auch klingen mag, so verlangt der Weg doch Kondition ab. Immerhin gilt es, um die 800 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu überwinden. Darauf hatte die Dame im örtlichen Fremdenverkehrsbüro extra hingewiesen. Worauf wir uns kurz entschlossen auf eine Halbierung der Strecke geeinigt hatten. Lieber wollten wir die Tour nach dem Genussprinzip „Weniger ist mehr“ angehen. Und so hieß das für uns, nur drei der insgesamt fünf Hütten anzusteuern.

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Oase im Wald: Die Landauer Hütte gehört zum Pfälzer-Wald-Pflichtprogramm. Hier befand sich einst der Schlossgarten der nahe gelegenen Burg Neuscharfeneck

Hundert Schattierungen von Grün

Vom Wanderparkplatz in Albersweiler-St. Johann gestartet, hatten wir nach etwa zwei Kilometern die Ringelsberghütte, unser Einkehrziel Nummer eins, am frühen Vormittag erreicht. Der Weg war gleich zu Beginn ziemlich steil verlaufen. Vorbei an Reihen mit knorrigen Rebstöcken ging es hinauf bis an den Ortsrand von Frankweiler. Ein letzter Blick auf die „Wingerte“, wie in der Pfalz die Weinberge heißen, dann waren wir in den sattgrünen Mischwald eingetaucht.

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Ein Bild von einer Landschaft: An sonnigen Standorten mischen sich gern Robinien in das Gehölz. Im Frühling versprühen sie einen intensiven Duft

Schön ist der Pfälzer Wald zu jeder Jahreszeit. Auf sanften Hügeln ziehen sich überwiegend Buchen, Eichen, Fichten, Kiefern und Kastanien dicht an dicht über eine Fläche halb so groß wie Mallorca. Einen ganz besonderen Reiz übt das Waldmeer aber im Frühling und Frühsommer aus. Wenn sich nach und nach die Blätter in ihren vielfältigen Grüntönen entfalten, fühlt es sich an, als wandere man durch einen Zauberwald, in dem jeden Augenblick Gnome, Zwerge oder andere mystische Wesen über den Weg huschen könnten. Bei den zum Teil gewaltigen und bizarr geformten Buntsandsteinfelsen, die es hier überall gibt, scheint es, als seien einst Riesen am Werk gewesen.

Zweifelsohne fantastisch ist auch die Ringelsberghütte, die berühmt ist für ihre tolle Aussicht auf die Rheinebene – an klaren Tagen reicht sie bis zum Odenwald und Schwarzwald. Auch die feinen „Fläschknepp“ (Fleischknödel mit scharfer Meerrettichsoße), die es auf der Hütte gibt, waren uns sehr ans Herz gelegt worden. Doch so verlockend die Leckereien auf der Kreidetafel klingen, unser Frühstück war überaus reichlich. So bestellen wir an der  Theke etwas zu trinken – und staunen, als wir es darauf mit einem Pfälzer Original zu tun bekommen: dem Schoppen. Kredenzt wird die Weinschorle in einem 0,5-Liter-Glas, das über und über mit Vertiefungen versehen ist. Als Martin Haglstein vom Hüttenteam unsere überraschten Blicke sieht, sagt er: „Des g’hört bei uns so. Ein echter Pfälzer Schoppen hat immer das Maß von einem halben Liter und wird im traditionellen Dubbeglas ausgeschenkt.“ Mehr Zeit für Erklärungen hat Haglstein am heutigen Tag leider nicht. Die Arbeit ruft.

Vor uns liegt ein grünes Wellenbad

Pünktlich mit dem Eintreten mehrerer Gruppen hungriger Wandersleute ziehen wir von der Ringelsberghütte weiter. Nicht wie eigentlich üblich mit Kurs auf die St.-Anna-Hütte, sondern über eine Abkürzung auf dem historischen Marktweg in Richtung Zimmerplatz. Auf diesem Pfad, der uns immer tiefer in den Pfälzer Wald hineinführt, hatten früher die Bauern und Bäuerinnen aus den Dörfern Ramberg und Dernbach ihre Waren nach Landau zum Markt transportiert.

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Bäume und Burgen prägen den Pfälzer Wald: Zwischen die Hügel schmiegen sich kleine Bilderbuchorte mit charmanter Fachwerkhaus-Architektur

Auch unser nächstes Ziel trägt den Namen dieser pfälzischen Stadt. Die Landauer Hütte, gelegen inmitten einer großen Waldlichtung, ist bei dem schönen Frühlingswetter gut besucht. Da alle Tische besetzt sind, marschieren wir zunächst weiter zur zehn Minuten entfernten Ruine Neuscharfeneck aus dem frühen 13. Jahrhundert. Der Pfälzer Wald verbirgt so manches, das sich zu entdecken lohnt. Und die viertgrößte Burganlage der Pfalz gehört ohne Frage dazu. Nicht zuletzt wegen der großartigen Aussicht, die sich von hier bietet. Aus gut 500 Metern Höhe schweift das Auge über ein Meer aus sanften Waldhügeln, die mich an ein scheinbar endloses grünes Wellenbad erinnern.

Ein Hoch auf das Ehrenamt!

Zurück an der Landauer Hütte stärken wir uns bei Flammkuchen, Bratwurst mit Kartoffelsuppe, was in der Pfalz „Brodworscht mit Grumbeersupp“ heißt, und „Weißem Käs“, ein mit Zwiebeln, Paprika, Salz und Pfeffer angemachter Rahmkäse. Die bodenständigen Gerichte schmecken lecker und sind sensationell preiswert. Wo bitte im Land gibt es denn sonst einen halben Liter Rieslingschorle für drei Euro, fragen wir uns? Als unsere Tischnachbarn, ein sympathisches Pärchen aus der Region, unser Gespräch mitbekommt, haken sie ein und erzählen, dass dieses Preisniveau nur möglich sei, weil die meisten Hütten in der Gegend von ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern des Pfälzerwald-Vereins (PWV) bewirtschaftet werden. Das erklärt auch, weshalb sie meist nur an Wochenenden und feiertags geöffnet haben.

Die anschließende Etappe wird mein Lieblingsabschnitt. Sie führt über einen schmalen Waldweg stetig steil bergauf bis zum Startplatz der Gleitschirmflieger mit einladenden Liegebänken. Von hier sind es nur noch wenige Meter zum Orensfelsen (581 m). Das durch ein Geländer gesicherte Plateau bildet den höchsten Punkt auf der Wanderung. Ein weiter Rundumblick auf Annweiler, das Queichtal und die Trifelsburg im Westen, das Dernbachtal mit der Ramburg im Norden sowie die Weinstraße im Osten belohnt uns für die Anstrengung der letzten Kilometer.

Süßes Ende bei Kaffee und Kuchen

Zum Naturfreundehaus Kiesbuckel verläuft der Weg dann leichten Schrittes. Es geht ausschließlich bergab. Uns weht der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee um die Nase, zu dem ich mir ein saftiges Stück Rahmkuchen gönne. Langsam wird die Anstrengung des Tages im Körper spürbar. Ich schließe die Augen und lasse mich von dem wohligen Gefühl überwältigen, mitten in einem Naturparadies zu sitzen, Essen und Trinken zu genießen und dem Pfälzer Wald mit allen Sinnen ganz nah zu sein.

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Nützliche Informationen und Adressen zur Hüttentour

Details zur Tour: Die Gehzeit der kompletten 19 km langen Tour (s. Karte) beträgt 6 bis 6,5 Stunden. Wer die Strecke abkürzen möchte, wie wir es gemacht haben, lässt die St.-Anna- und Trifelsblickhütte aus und läuft über den Marktweg direkt zur Landauer Hütte. So halbiert man die Tour in etwa. Oder man wählt die nördliche Route. Sie startet am Parkplatz Lindenallee in Gleisweiler, führt über die St.-Anna-Kapelle und die gleichnamige Hütte über die Trifelsblick- weiter zur Landauer Hütte. Hier verlässt man die Pfälzer Hüttentour und wandert entlang des Hainbachs zurück ins Tal. Die Strecke verläuft hauptsächlich auf Waldwegen. Da es auch mal über Wurzeln und Steine geht, ist festes Schuhwerk zu empfehlen. Kartenmaterial und weitere Informationen unter Telefon: 06341/94 04 07, www.suedlicheweinstrasse.de

Anfahrt: Versierte Wanderer lassen das Auto einfach stehen und entdecken den Pfälzer Wald mit einem der zahlreichen Wanderbusse oder Ausflugslinien des ÖPNV. Die Pfälzer Hüttentour ist zum Beispiel über den Wanderbahnhof Albersweiler, Bahnhaltepunkt an der Queichtallinie Landau-Pirmasens, nach rund 2 km Fußmarsch zu erreichen.

Hütten-Öffnungszeiten: Alle Einkehrmöglichkeiten werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern bewirtschaftet. Die Ringelsberghütte und die Landauer vom Pfälzerwald-Verein (PWV), das Naturfreundehaus Kiesbuckel von dessen Mitgliedern. Geöffnet sind sie meist an Wochenenden und an Feiertagen. Da es kurzfristig auch mal Änderungen geben kann, ist es sinnvoll, sich im Vorfeld auf der Internetseite der Hütten zu informieren: www.pwv.de, www.naturfreunde-landau.de

Wie wird die Fernsicht? Eine bundesweit einzigartige Messstation auf dem höchsten Berg im Pfälzer Wald, dem Kalmit, erfasst die Sichtverhältnisse vor Ort und informiert per E-Mail oder SMS. www.fernsehen-pfalz.de