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Nachhaltig leben: Konsum mit gutem Gewissen

Statt Plastiktüte: ein Netzt aus Baumwolle mit Gemüse darin
© Sylvie Tittel / Unsplash
Unser Energiehunger schadet dem Klima, unsere Teak-Möbel lassen den Regenwald schwinden, unser Fleischkonsum verursacht Massentierhaltung – es macht Sinn, sich über das eigene Konsumverhalten Gedanken zu machen. Aber wie können wir nachhaltig leben? Es ist leichter als Sie vielleicht denken. Wir sagen, wie es funktionieren kann.

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Was bedeutet nachhaltig?

Schnell noch den Honig einpacken, dann ist der Einkauf erledigt. Doch halt – welches Glas soll denn eigentlich in den Korb? Lieber Honig aus Deutschland kaufen und die örtlichen Imker stärken oder einen aus dem Regalfach darunter mitnehmen? Der kommt zwar aus Mittelamerika, trägt aber das Biosiegel. Ein klassisches Dilemma.

Denn was ist eigentlich wichtiger – biologischer Anbau, faire Bezahlung der Imker oder die CO2-Bilanz beim Transport in den Laden? Wer über seinen Alltag nachdenkt, kommt aus dem Kopfzerbrechen über gekühlte Lageräpfel, Turnschuhe aus China und rechtlose Kaffeebauern aus Brasilien nicht mehr heraus.

Ein Korb voller Gemüse und Obst aus der Provence
Bewusst einkaufen: ein wichtiger Schritt in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils
© Wolfgang Schardt

Oft ist in diesem Zusammenhang von “Nachhaltigkeit” die Rede. Welches Bewusstsein hinter diesem Wort steht, lässt sich am besten mit dem bekannten indianischen Sprichwort beschreiben:

Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.

Nachhaltiger Konsum hilft also im ökonomischen, ökologischen und sozialen Sinn, die Welt zu erhalten, fördert die Generationengerechtigkeit, biologischen Anbau und faire Bezahlung. Aber wo soll man anfangen mit der “Nachhaltigkeit?

Nachhaltig leben: Prioritäten setzen

“Wo Sie anfangen möchten, Ihre Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und hin zu mehr Nachhaltigkeit zu verändern, das liegt bei Ihnen”, schreibt der “Rat für Nachhaltige Entwicklung”, den die Bundesregierung 2001 in einer Broschüre berufen hat. Es geht also nicht darum, gleich die Welt retten zu wollen, um dann frustriert wieder aufzugeben, sondern selbst Prioritäten zu setzen. Es muss kein Widerspruch sein, im Haushalt möglichst viel Energie sparen zu wollen und deshalb auf einen möglichst energieeffizienten Kühlschrank Wert zu legen, sich aber gleichzeitig trotz Stadtwohnung fürs Auto zu entscheiden, weil der Lebensmitteleinkauf für die ganze Familie schlecht im Bus transportiert werden kann.

Selbst genähter Brotbeutel
Kleine Veränderung mit großer Wirkung: Statt Brot in einer Plastiktüte zu lagern, kommt es in einen Stoffbeutel - dieser hält Brot sogar länger frisch.
© Silke Zander

Irreführende Slogans

Soweit so einfach, wären da nicht die gut klingenden Werbeslogans vieler Unternehmen. Weil “Nachhaltigkeit” gut fürs Firmenimage ist, sammeln große Firmen für den Regenwald und unterstützen Wasserprojekte. “Greenwashing” nennt man die Werbestrategie, mit der Unternehmen sich möglichst umweltfreundlich und sozial engagiert zeigen wollen, um ihren Umsatz zu steigern.

Wie viele Firmengelder tatsächlich in die Projekte fließen, lässt sich allerdings schwer nachprüfen. Deshalb ist bei allzu viel Werbung Vorsicht geboten. Vielleicht produziert der kleine Obstbauer vom Markstand nebenan viel nachhaltiger. Im Gegensatz zu großen Firmen hat er aber keine PR-Abteilung, die das groß auf seine Schilder schreibt. Eine Übersicht über die Untenehmenspolitik von Grillhähnchen-Herstellern bis hin zu Sportartikel-Firmen bietet die Stiftung Warentest.

Nachhaltigkeit: Strom sparen

Waschmaschinen, Kühlschränke und Backöfen mit einer guten Energie-Bilanz (A++ oder besser) kosten häufig mehr als Energie-Schleudern. Weil sie deutlich weniger Strom verbrauchen, rechnen sich die höheren Anschaffungskosten aber über die Jahre. Welches Gerät für Sie das passende ist, erfahren Sie unter www.stromeffizienz.de. Beratung bieten außerdem die Verbraucherzentralen an. Wenn nötig kommt sogar ein Experte zu Ihnen nach Hause. www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

Auch ein Beitrag zum Stromsparen: Verwenden Sie Steckdosenleisten mit Netzschalter oder Funksteckdosen, mit denen alle angeschlossenen Geräte komplett vom Stromnetz getrennt werden können. Denn auch im Standby-Modus verbrauchen Hifi-Anlage, Fernseher, Computer & Co. Strom. Beim Neukauf unbedingt auf den Standby-Verbauch achten – er sollte unter 0,5 Watt betragen.

Frisch geernetete Birnen im Weidenkorb im Garten.
Biologisch angebaute Lebensmittel, die gerade Saison haben und aus der Region kommen, sind am besten.
© Sabrina Rothe

Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln

Ausländische Produkte mit Biosiegel sind zwar nachhaltig angebaut, werden aber oft kilometerweit mit dem Flugzeug um die Welt geflogen. Das gilt vor allem für leicht verderbliche Früchte wie Erdbeeren und Weintrauben. Deshalb gilt die Faustregel: Biologisch angebaute Lebensmittel, die gerade Saison haben und aus der Region kommen, sind am besten. Tipp: Speziell den Fischkauf erleichtert die Fischratgeber-App des WWF.

Die größte Sünde: Verpackungen

Eine der größten “Sünden” unserer Zeit: Verpackungsmüll und Flaschen aus Plastik. Achten Sie beim Kauf darauf, wie Produkte verpackt sind und bedenken Sie die Relation zwischen Produkt und anfallendem Verpackungsmüll. Durch Mülltrennung und Plastik-Recycling erliegen wir dem Trugschluss, Plastik sei ökologisch in Ordnung. Das ist leider falsch: Nur ein kleiner Teil wird tasächlich recycelt, der Rest landet auf dem Müll oder in der Natur. Daher: lieber zu Mehrweg-Glasflaschen greifen!

Living at Home. Saft selber machen
Glas statt Plastik: Wenn möglich, kaufen Sie Ihre Getränke in Mehrweg-Flaschen aus Glas. Und füllen Sie auch Selbstgemachtes in Glasflaschen - das sieht zudem auch noch schön aus.
© Stefan Thurmann

Gütesiegel für Nachhaltigkeit

Manche Firmen preisen mit selbst entworfenen Siegeln Nachhaltigkeit an. Das muss nicht unbedingt schlecht sein – die tatsächliche Qualität ist aber nur schwer nachprüfbar. Die Träger des “Bio-Siegels” und des EU-Label “Ökologischer Landbau” werden hingegen staatlich kontrolliert. Welche Siegel es noch gibt und was sie bedeuten, erfahren Sie unter www.label-online.de.

Nachhaltigkeit bei Kleidung

Auch wenn es kaum mehr andere Produktionsländer zu geben scheint: Kleidung aus Bangladesch, Vietnam oder China wird in den seltensten Fällen unter fairen Bedingungen produziert. Handelt es sich dann noch um “stylische”, stark bearbeitete und künstlich verwaschene Jeansstoffe, wurden die Arbeiterinnen und Arbeiter vor Ort höchstwahrscheinlich zudem noch giftigen Dämpfen durch die verwendeteten Bleichmittel ausgesetzt.

Baumwolle, die vollständig ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut wurde, ist mit dem Kürzel “kbA” gekennzeichnet. Angaben wie “handgepflückt” oder “aus unbehandelter Baumwolle” sind keine zuverlässigen Angaben. Wem Hosen und Pullis aus Biobaumwolle zu teuer sind, sollte wenigstens Kleidung kaufen, die länger als eine Saison hält.

Wer alte Kleider spenden will, sollte sie bei einer seriösen Sammelstelle abgeben. Welche in Ihrer Nähe ist, können Sie bei www.fairwertung.de erfragen.

Ordnung Badezimmer
Gut für die Umwelt - energiesparend Waschen bei 40 Grad.
© Silke Zander

Nachhaltig waschen

Klar, waschen muss sein. Aber nicht immer bei 60 Grad. Wenn niemand im Haus krank ist, reichen 40 Grad Waschtemperatur völlig aus. Das spart bei einem zwei-Personen-Haushalt nicht nur bis zu 32 Kilogramm CO2, sondern auch einiges an Geld. Unter www.forum-waschen.de können Sie Ihre persönliche Wasch- und Spülmaschinenbilanz errechnen.

Nachhaltige Körperpflege

Kosmetik-Hersteller sind häufig in der Kritik, weil sie zum Beispiel Palmöl verwenden. Welche Hersteller nachhaltig arbeiten sehen Sie unter www.ionc.info und www.natrue.org/de

Nachhaltige Beleuchtung

Energie-Sparbirnen können viel Strom und Geld sparen. Aber wenn das in ihnen enthaltene Quecksilber im Hausmüll landet, war alle Mühe umsonst. Wo Sie die Birnen sachgerecht entsorgen können, erfahren Sie hier: www.lightcycle.de. Die bessere Lösung sind LED-Leuchtmittel, die sowohl sehr sparsam als auch extrem haltbar sind. Zudem enthalten sie keine giftigen Substanzen.

Zimmerpflanzen dekorieren mit Tischleuchte "Sinnerlig" von Ikea
Schöne Alternativen zu Holz: Möbel und Wohnaccessoires aus Bambus oder Kork.
© Ikea

Nachhaltig wohnen

Zeit für einen Tapetenwechsel? Dann bitte keine Rollen kaufen, die den Weichmacher PVC enthalten. Er verbirgt sich hinter Bezeichnungen wie Vinyl, CV und VC. Beim Streichen sollte man darauf achten, dass die Farbe emissions- und schadstoffarm ist. Besonders ökologisch sind Kalk-, Leim-, Kasein und Silikatfarben. Bei Möbeln gilt: Am besten ganz auf Tropenholz verzichten und beim Kauf auf Hölzer aus heimischer, nachhaltiger Fortstwirtschaft achten. Wer das nicht möchte, sollte nur Möbel mit dem FSC-Siegel kaufen. Dies ist zwar in die Kritik geraten, laut Greenpeace ist es aber noch immer die beste Möglichkeit, nachhaltige Holzwirtschaft zu unterstützen.


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