Reportage Meine erste Thai-Massage

Der Begriff Thai-Massage ist geläufig. Aber wussten Sie, dass dabei Akupressur-Punkte und passives Stretching die Hauptrolle spielen? Unsere Autorin hat die traditionelle Behandlung in Thailand getestet. Ein Erfahrungsbericht.
Meine erste Thai-Massage
Therapeutin Ann, 28, begleitet mich zur schicken Umkleide des "Anantara Spa & Wellness 360°", reicht mir eine Art weißen Pyjama, verbeugt sich und verlässt den Raum. Aha. Schon der Beginn meiner ersten Thai-Massage in Thailand ist ganz anders, als man es von der klassischen deutschen Behandlung gewöhnt ist. Ich streife den frisch duftenden, weiten Baumwollanzug über, der sich als fünf Nummern zu groß erweist. Aber Bewegungsfreiheit ist bei einer Thai-Massage wichtig, wie ich bald merke, nachdem ich mich auf die weiche Bodenmatte im Raum nebenan gelegt habe.
Meine erste Thai-Massage
Durch das Eigengewicht des Therapeuts wird Druck aufgebaut.

Lavendelduft zur Entspannung

Die Flügeltüren nach draußen sind weit geöffnet, Vögel zwitschern, ein Ventilator surrt, aus Lautsprechern tönt leise Entspannungsmusik. Ann lächelt und legt mir ein gefülltes Seidensäckchen auf die Augen. Der Duft von Lavendelblüten steigt mir in die Nase, und während er mich zu Hause eher an muffige Kleiderschränke erinnert, empfinde ich den Geruch hier, in der feuchtwarmen Luft Thailands, erstmals als frisch und sehr angenehm.

Ich war selten beim Sport. Das rächt sich jetzt.

Wir beginnen mit passivem Stretching. Besser gesagt nicht wir, sondern Ann. Ich liege einfach auf dem Rücken. Ann winkelt mein Bein an, führt das Knie Richtung Bauch und drückt es sanft zur anderen Körperhälfte Richtung Boden. Zwei Sekunden halten, Seitenwechsel. Danach sind die Arme dran. Die Bewegungen sind mir vom Stretching im Fitnessstudio vertraut, aber meine steifen Glieder verraten, dass ich in letzter Zeit viel am Schreibtisch gesessen und wenig Sport getrieben habe. Ann dreht mich vom Rücken zurück auf den Bauch und fährt fort. Danach noch mal Rückenlage, Bauchlage, sitzen, wieder Rückenlage. So oft musste ich während einer Massage noch nie die Stellung wechseln. Ich werde gefaltet, gedehnt, gedrückt, muss dabei unwillkürlich an Origami, die japanische Papier-Faltkunst, denken, und überlege, ob ich danach wohl aussehe wie ein Kranich.
Meine erste Thai-Massage
Thai-Massagen findet am Boden mit Bekleidung statt.

Gut, dass ich vorher nichts gegessen habe.

Mit kräftigen Kreisbewegungen streicht Ann beherzt über meinen Magen, und ich bin froh, auf ein Mittagessen verzichtet zu haben. Sie wendet mich auf den Bauch, kniet sich auf meine Oberschenkel, fasst mir um die Handgelenke und zieht meinen Oberkörper Richtung Decke (Stellung siehe Foto). Dreht mich zurück auf den Rücken und massiert mit ihren Füßen meinen Oberschenkel. Zieht an jedem einzelnen Zeh und drückt bestimmte Punkte am Fuß und Unterschenkel, die sich als erstaunlich schmerzhaft erweisen. Eines ist klar: Wem im Urlaub eine entspannte Wohlfühlbehandlung vorschwebt, der bucht besser eine andere Massage.

Im Vierfüßlerstand kniet Ann auf mir.

Dann wird es angenehmer. Ann umfasst meinen Kopf und zieht ihn sanft zu sich heran, streicht über mein Gesicht, knetet meine Handteller und zieht meine Finger, die sonst die Computer-Maus fest im Griff haben, auseinander - eine Wohltat. Sie wendet mich wieder auf den Bauch, kniet sich auf meine Oberschenkel, stützt sich mit den Händen auf meinem Rücken ab und steht mit vollem Körpergewicht im Vierfüßlerstand auf mir. Ich bin verdutzt – und froh, die Behandlung nicht bei einem stämmigen Masseur in Deutschland gebucht zu haben... Langsam gewöhne ich mich an die Bewegungsabläufe.
Und dann sind 90 Minuten auch schon vorbei. Ann steht auf, lächelt, verbeugt sich, verlässt den Raum - und ich schaue ziemlich verklärt in die Welt. Langsam rappele ich mich auf, brauche einen Moment, um richtig zu mir zu kommen, und verlasse schließlich langsam das Spa. Auf dem Weg zum Hotelzimmer fühlt sich mein Körper anders an. Ich schüttele mich kurz und überlege. Sicher, es gab ein paar unbequeme Bewegungen. Aber nach einer Thai-Massage geht man den Rest des Tages im wahrsten Sinne des Wortes irgendwie lockerer an.

Weitere Infos zur Massage:

Die "Traditional Thai Massage" im "Anantara Spa & Wellness 360°" des Hotels "Anantara Si Kao" dauert 90 Minuten und kostet 2700 Bath, umgerechnet rund 54 Euro.
Text: Julia Klöpper
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