Besuch in Marrakesch

Gehört hat man von Marrakesch schon viel. Besucht man die Stadt im Südwesten Marokkos zum ersten Mal, ist man trotzdem erstaunt, wie viele neue Eindrücke auf Besucher einprasseln. Denn gerade die Gegensätze, die die Stadt vereint, prägen ihren besonderen Charme.
Das Erste, was einem auffällt, wenn man vom modernen Flughafen in die Stadt fährt, sind die Häuser von Marrakesch. Außen ganz schlicht gehalten, lassen sie die ganze Stadt in Rosenholztönen leuchten, die nur vom Grün der Palmen unterbrochen werden. Steuert das Taxi die Altstadt an, passiert man die gut in Stand gehaltene, zwölf Kilometer lange Stadtmauer von Marrakesch, die die Medina umgibt.
Besuch in Marrakesch
Abends tauchen Garküchen den Platz Djeema el Fna in Dunstwolken. Foto: Julia Klöpper
In ihrem Inneren bestimmen der berühmte Platz Djamâa el-Fna, auf dem abends in Windeseile dutzende von Garküchen aufgebaut werden, Dachrestaurants und weit verzweigte, teils überdachte Souks das Bild. Die Souks sind traditionell nach Handwerkszweigen und Warenangebot gegliedert und beginnen an der Nordseite des Djamâa el-Fna.
Besuch in Marrakesch
In der Färbergasse wird in alter Tradition von Hand gefärbt. Foto: Julia Klöpper
Außerhalb der Souks knattern in schmalen Gassen, in denen man in Deutschland vom Fahrrad absteigen würde, Mopeds an Pferdekutschen vorbei, bieten fliegende Händler bunt bestickte Taschen und Silberschmuck neben Schemeln mit gestapelten Kalbsfüßen und lebenden Hühnern an. Wer all diese Eindrücke bei einer kleinen Pause auf sich wirken lassen möchte, bestellt in einem der vielen Cafés am besten thé à la menthe – den typischen, stark gesüßten, heißen Minztee, der hier überall getrunken wird.
Besuch in Marrakesch
Gewürze häufen die Händler in Marrakesch fein säuberlich auf.
Besucher, die nur ein langes Wochenende in Marrakesch verbringen, sollten sich vor allem dieses Treiben in der Medina anschauen. Denn in der völlig konträren Neustadt von Marrakesch sind viele moderne Shops ansässig, die man auch in jeder europäischen Großstadt besuchen kann. In der Altstadt dagegen warten nicht nur die wichtigsten sehenswerten Monumente wie die Kutubiya-Moschee, die wunderschöne Koranschule Medersa Ben Youssef  aus dem 14. Jahrhundert (unten), der Bahia-Palast und die prächtigen Saardier-Gräber, sondern eben auch der orientalischen Alltag, der Moslems, Christen und Juden friedlich vereint.
Besuch in Marrakesch
Sehenswert: die Koranschule Medersa Ben Youssef aus dem 14. Jahrhundert.
Die prachtvollen Seiten der Stadt zeigen sich oft erst auf den zweiten Blick – dann, wenn sich Türen öffnen. Denn während selbst Häuser der reichsten Bewohner an kleinen Gassen inmitten der Medina liegen und im Gegensatz zu europäischen Häusern von außen einfach und schmucklos wirken, sind die Innenhöfe vieler Riads ein Paradies. Sie begeistern mit farbenfrohen, handgefertigten Mosaiken, Springbrunnen, Säulengängen und üppigen Pflanzen. Die Häuser sind mit wertvollen Teppichen, Antiquitäten und aufwendigen Schnitzereien ausgestattet. Erleben kann man dieses Ambiente besonders gut, wenn man in einem der vielen Riads übernachten, die zum Hotel umgebaut wurden.
Wer nachts bei geöffnetem Fenster schläft, wird übrigens bei Sonnenaufgang vom Ruf des Muezzin geweckt, der zum Morgengebet ruft. Und selbst in den Souks kann es abends passieren, dass Händler das Handeln plötzlich ihrem Kollegen überlassen, wenn sie den Ruf zum Abendgebet vernehmen. Aber genau diese Andersartigkeit macht den Reiz von Marrakesch ja aus.
Tipp: Wer eine unterhaltsame, deutschsprachige Stadtführung machen möchte, kann den offiziell registrierten, gut informierten Stadtführer Benmoussa Jamal buchen. Er kennt die besten Adressen der Stadt und richtet das Programm nach den individuellen Wünschen der Gäste aus. Eine halbtägige Führung kostet 400 Dirham (rund 36 Euro), ein ganzer Tag 700 Dirham (rund 62 Euro). Tel. (00212) 06 61 16 98 72, E-Mail: benmoussa62@yahoo.fr.
Text: Julia Klöpper
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