"Es gibt keine Regeln": Fortsetzung des Interviews mit Tricia Guild

Sollte man bei der Einrichtung grundsätzlich Unterschiede machen zwischen Räumen, in denen man aktiv ist und Räumen, in denen man entspannt?
Das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Manche Leute mögen Schlafzimmer in kräftigen, warmen Farben, andere lieber kühle Farben. Es hängt einfach davon ab, was man möchte – es gibt da keine Regeln. Ich reise ständig und übernachte oft in Hotels. Zum Beispiel war ich in Rom in einem Hotelzimmer mit wundervollem rotem Seidendamast. Ich persönlich würde mir das nicht aussuchen aber dort war es wunderschön.
Und welche Art von Schlafzimmer gefällt Ihnen?
Ich mag ruhige Schlafzimmer und kühle Farben. Aber das ist mein persönlicher Geschmack und hat nichts mit irgendjemand anderem zu tun. Wissen Sie, ich hasse es, unehrlich zu sein, wenn ich Interviews gebe. Natürlich wäre es einfach, Regeln aufzustellen und zu sagen, dieses und jenes sollte man nie tun. Aber ich stelle ungern feste Regeln auf.
"Es gibt keine Regeln": Fortsetzung des Interviews mit Tricia Guild
Julia Klöpper (l.) traf Tricia Guild zum Interview in München.

„Ich  liebe es, Bilder auf Mustertapeten zu hängen – das ist die englische Exzentrik.“

Was sollte beachten, wenn man Mustertapeten einsetzen möchte?
Die Decke sollte weiß bleiben, das lässt den Raum höher wirken. Viele Leute haben die Befürchtung, sie könnten keine Bilder aufhängen, wenn sie eine groß gemusterte Tapete wählen. Aber ich liebe es, große Muster zu  verwenden und darauf Bilder zu hängen – das ist die englische Exzentrik und kann sehr interessant sein. Von der Vorstellung sind viele erstmal geschockt – „oh mein Gott, das kann ich doch nicht machen“. Ich denke, man kann das sehr wohl machen. Es gibt einem Raum eine sehr kreative Atmosphäre.
Gibt es eine Farbe, die generell unterschätzt wird?
(schmunzelt) Manchmal gibt es eine leichte Angst vor Grün. Ich verwende viel Grün und mag es sehr gerne. Für mich ist es eine neutrale Farbe, sie stammt ja aus der Landschaft. Man kann es mit den meisten Farben mixen. Und ein kleines bisschen Grün wirkt wie Blätter – und Blätter sind wundervoll in einem Raum.

„Die Leute denken, man könne alle Naturtöne miteinander mixen und das sähe gut aus. Tut es aber nicht.“

Und gibt es, anders herum gefragt, auch Farben, die überschätzt werden?
Getreidefarben werden überbewertet, Brauntöne. Ich glaube, die Leute denken, man könne alle Naturtöne miteinander mixen und das sähe gut aus. Tut es aber nicht. Das kann so langweilig wirken! Für mich muss es bei neutralen Farben eine gewisse Strenge geben, die durch Akzente wie dunkles Schokoladenbraun oder Schwarz entsteht. Man kann mit neutralen Tönen, bei denen alle Leute denken, damit läge man immer richtig, also genauso daneben liegen wie mit allen anderen. (lacht) Das ist jetzt vielleicht nicht besonders hilfreich.
Woran liegt es dann, dass diese Ecke Ihres Münchener Showrooms, in der wir gerade sitzen und die ganz in Schwarz und Beige eingerichtet ist, nicht langweilig wirkt?
Wir haben hier zum Beispiel eine beige Tapete mit einem schwarzen, grafischen Blumenprint. Dazu sandfarbene Vorhänge mit schwarzen Blockstreifen und verschiedene Oberflächenstrukturen – dadurch wirkt es ausgewogen. Von einer kompletten Einrichtung ins Sandtönen sollte man besser die Hände lassen. Weißer Sand ist ja schön. Aber gelber Sand – ich weiß nicht…

„Kleine Farbproben an der Wand können abschreckend wirken. Aber wenn der ganze Raum gestrichen ist, wird die Farbe einfach Teil der Atmosphäre.“

Und worauf sollte man achten, wenn man Wandfarben auswählt?
Darauf, wie sie sich mit dem Licht verändern – in Kunstlicht und Tageslicht sehen Farben ganz unterschiedlich aus. Und ich denke, es ist gut, einen Farbtopf zu kaufen und erstmal ein Stück zu streichen. Wobei das Problem dabei ist, dass das auch beängstigend sein kann. Wenn man eine starke Farbe nimmt, damit ein Stück Tapete streicht und es als Farbprobe an die Wand hängt, wird man nur darauf achten. Aber wenn erstmal die ganze Wand oder der ganze Raum gestrichen ist und Bilder hängen, wird die Farbe einfach Teil der Atmosphäre. Im Endeffekt sollte man versuchen, nicht zu ängstlich zu sein und seinem Instinkt zu vertrauen. Eine Wand zu streichen, ist ja nicht so schwierig.
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Die Kollektion umfasst Stoffe in allen Regenbogenfarben.

Sie arbeite viel mit Blumenmustern. Aber nicht jede Frau kann ihren Mann dafür begeistern. Wie macht man ihm Blumenmuster am besten schmackhaft?

Zeigen Sie ihm Fotos verschiedener Räume, die Sie mögen und in denen Blumenmuster verwendet werden. Ich glaube, in Deutschland mag man eher grafische Muster, aber es gibt ja auch grafische Blumenmuster. Versuchen Sie einfach, ihn zu überzeugen.
Indem man mit einem geblümten Kissen anfängt?
Ja, oder mit Bettwäsche. Wenn man einen Raum neu gestalten möchte, sollte man am besten Muster von allen Farben und Stoffen sammeln. Und dann zeigen Sie ihm alles zusammen, die Idee für den ganzen Raum, auch die schlichten Stoffe. Lenken Sie auf die Blumenstoffe einfach nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig.
In manchen Räumen, die im Buch zu sehen sind, kombinieren Sie an einem Fenster rechts und links ganz unterschiedliche Gardinenschals. Wann greifen Sie zu diesem Stilmittel, und was bewirkt es?
Das wirkt lockerer. Man kann zum Beispiel wunderbar ein buntes Muster mit einem schwarz-weiß gestreiften Stoff kombinieren und für das nächste Fenster einen einfarbigen Gardinenschal wählen. Das sieht spontaner und ein bisschen moderner aus, aber das mag nicht jeder.
Und was macht man, wenn man im Raum nur ein Fenster hat?
Dann kann man auch zwei verschiedene Vorhänge hintereinander verwenden – zum Beispiel einen gemusterten, hinter der ein unifarbener Stoff hervorblitzt. Oder Streifen, kombiniert mit einem Muster. Und auf der anderen Fensterseite setzt man zum Beispiel nur den Musterstoff ein und lässt die unifarbene Lage weg. Ich mache das oft.
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Posamente findet man bei Designers Guild an vielen Kissen und Leuchten.

„Sie wollen einen Raum neu gestalten? Dann brauchen Sie ein Konzept. Sonst endet es in einem großen Durcheinander.“

Nehmen wir an, ich möchte mein Wohn- oder Schlafzimmer umgestalten, habe dafür aber nur einen Tag Zeit. Was würden Sie empfehlen?
Dann sollten Sie besser viel Nachtarbeit einplanen (lacht). Auch wenn man schon eine Vorstellung hat, wie es werden soll, muss man dann sehr entschlussfreudig sein. Und in einen Laden gehen, der einem die besten Möglichkeiten bietet. Wenn Sie Designers Guild mögen, dann kommen Sie her, bleiben einen Tag und gehen mit einem Entwurf nach Hause. Aber auch dafür muss man schon bestimmte Ideen habe. Es ist viel einfacher, ein Konzept für den Raum im Kopf zu haben, als einfach herumzulaufen und zu sagen, oh, das kaufe ich – und das auch. Das endet in einem großen Durcheinander.
Und wenn man nicht gleich alles neu machen möchte?
Dann sollte man einfach die Dinge im Raum, die man am liebsten mag, auswählen und behalten. Und die Dinge, die man nicht mag, verändern. Gerade wenn ein Schlafzimmer ganz schlicht ist, bekommt man schon durch gemusterte Vorhänge oder einen gemusterten Bettüberwurf ein neues Raumgefühl.
Angenommen, Sie könnten ein öffentliches Gebäude Ihrer Wahl neu gestalten – welches würde Sie reizen?
Vielleicht würde ich ein Opernhaus neu gestalten. Das könnte wunderbar sein.

Mrs. Guild, vielen Dank für dieses Gespräch.

Interview: Julia Klöpper
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