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Interview "Warmes Licht ist nicht immer besser"

Jan-Christoph Nitschke, Lighting Designer des Hamburger Traditionsgeschäfts "Prediger Lichtberater", kennt Kundenfragen, Innovationen und praktische Ratschläge
Interview: "Warmes Licht ist nicht immer besser"

livingathome.de: Und für welche Bereiche sind LED-Leuchten geeignet?
J-C. Nitschke: Als dekorative Leuchten im Wohnbereich, in Fluren, Nebenräumen oder im Keller kann man LED wunderbar nutzen. Als Hauptlichtquelle in einem Wohnraum geben sie noch nicht genug Licht ab: die gängige 7,5 Watt LED ist maximal so hell wie eine 40 Watt Leuchte. Aber da wird sich in Zukunft noch viel tun. Voraussichtlich kommen in absehbarer Zeit LED-Leuchten für Privathaushalte auf den Markt, die zweimal 7,5 Watt liefern.

livingathome.de: Was sind die Vorteile der LED-Technologie?
J-C. Nitschke: Zum Einen benötigt eine LED nur etwa ein Viertel der Energiemenge einer Glühbirne, um dieselbe Lichtausbeute zu liefern, man spart also 75 bis 80 Prozent Strom. Ein weiterer Vorteil ist, dass LEDs ganz neue Leuchtendesigns ermöglichen, weil sie so klein sind und keine großen Schirme und Leuchtenköpfe mehr benötigen. Dadurch sind sehr filigrane, puristische Lampenentwürfe möglich, die trotzdem eine gute Lichtmenge liefern. Der dritte Vorteil ist die Lebensdauer einer LED. Bei einem Markenprodukt halten die Lampen 20.000-30.000 Stunden, manche sogar 50.000 Stunden - das entspricht in einem normalen Haushalt einer Lebensdauer von 20 Jahren.

livingathome.de: Viele Menschen stört das kühle, technische LED-Licht. Gibt es auch LED, die warmes Licht abgeben?
J-C. Nitschke: Ja, es gibt LED, die mit Phosphor beschichtet sind und warmes Licht abgeben. Aber eher im höherpreisigen Segment.

livingathome.de: Und was halten Sie von Energiesparlampen?
J-C. Nitschke: Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, sie sind sehr effizient und rechnen sich vor allem bei langen Leuchtzeiten. Aber sie haben sich eher in Büros durchgesetzt als in Privaträumen, weil sie ein diffuses Licht abgeben und nicht die gleiche Brillanz liefern wie Glüh- oder Halogenlampen. Im privaten Arbeitszimmer kann man sie also gut einsetzen, aber im Wohnbereich sollte man lieber nur kleine Ambiente-Leuchten, die den ganzen Abend eingeschaltet sind, mit Energiesparlampen bestücken und zusätzlich ein Halogen-Deckenlicht oder zwei LED-Spots einsetzen. Die Mischung macht´s und schafft Atmosphäre.

livingathome.de: Aber es gibt doch auch Energiesparlampen, die warmes Licht liefern.
J-C. Nitschke: Ja, die Hersteller versuchen, eine bessere Lichtfarbe hinzubekommen und bieten die Lampen in kalt-weiß, warm-weiß, neutral-weiß an. Damit das Licht wärmer wirkt, wird aber nur der Glaskolben von innen mit einer cremefarbenen Substanz beschichtet. An der Lichtart an sich ändert sich also nichts, die Brillanz von Glühlampenlicht fehlt trotzdem und Farben wirken anders als im Tages- oder Glühlampenlicht.

livingathome.de: Tendenziell bewerten wir warmes Licht positiv, kaltes Licht negativ. Ist das überhaupt richtig?
J-C. Nitschke: Nein, aber diese Einstellung hängt mit unserer Entwicklung zusammen. Der Mensch ist ursprünglich an Feuer und seit Jahrzehnten an warmes Glühlampen-Licht gewohnt. Dass wir daran hängen, genau wie an Kerzenlicht, hat also einen ganz archaischen Ursprung. Aber wenn nicht gerade die Sonne scheint, gibt es auch unter freiem Himmel sehr kühle Farbtemperaturen. Die ähneln schon mal einer Leuchtstoffröhre.

livingathome.de: Wann erweist sich kühle Beleuchtung als sinnvoll?
J-C. Nitschke: Studien an Hamburger Schulen belegten, dass kaltes Licht aktivierend wirkt und die Lesegeschwindigkeit von Schülern um etwa 35 Prozent steigert. Zudem wurden nur halb so viele Lesefehler gemacht und die motorische Unruhe der Schüler nahm ab. Im Büro oder Arbeitszimmer macht kühle Beleuchtung also durchaus Sinn.

livingathome.de: Worauf sollte man beim Kauf einer Lampe achten, um sicherzugehen, dass sie hell genug ist?
J-C. Nitschke: Bei Energiesparlampen und LED gibt es eine einfache Faustregel: Multipliziert man die angegebene Wattzahl mit 4, hat man ungefähr die Wattzahl einer Glühbirne, die genauso viel Licht abgeben würde. Wichtig ist aber auch das Zusammenspiel von Leuchtmittel und Leuchte: Hat die Leuchte einen schlechten Reflektor oder ist stark abgeblendet, schluckt sie sehr viel Licht. Da bringt dann auch die beste LED-Lampe kein gutes Ergebnis.

livingathome.de: Was empfehlen Sie für ältere Leuchten und Designklassiker, die man bisher mit mattierten Birnen betrieben hat?
J-C. Nitschke: Bei alten Leuchten ist dieser Fakt kein großes Problem, weil sie fast alle einen Leuchtenschirm oder einen Diffusor haben und man eigentlich nie in die nackte Birne guckt. Wenn es aber doch mal der Fall ist, kann man sich mit dem neuen Euro-Condom von Lichtdesigner Ingo Maurer behelfen – das ist ein milchigweißer Gummiüberzug, der wie ein Kondom über die Glühbirne gezogen wird und die Mattierung imitiert.

livingathome.de: Und welche Leuchtmittel empfehlen Sie für Kronleuchter?
J-C. Nitschke: Da bieten sich klare Halogenkerzen mit der kleinen E14-Fassung an, die die bisherigen Glühbirnen problemlos ersetzen. Aber auch für diesen Bereich werden sicher noch andere Produkte entwickelt. Der Stand der Dinge ändert sich momentan ja beinahe täglich.

Weitere Informationen:
www.prediger-licht.de

Interview: Julia Klöpper


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